ADHS und ADS bei Kindern

Bleib doch endlich mal ruhig! Zappel nicht so rum! Konzentrier dich doch mal endlich! All dies sind die Sätze, die sich unsere kleinen Zappelphillippe und Träumerchen ständig anhören dürfen. Sobald die Kids mit diesen Herausforderungen zu kämpfen haben, wird ihnen in den meisten Fällen die Testung für ADHS oder ADS ans Herz gelegt, damit das „Kind“ einen Namen hat.

Was ist eigentlich ADS oder ADHS genau?

Ich möchte euch erstmal die medizinische Sicht erläutern:

Zuerst einmal muss man klar zwischen ADS und ADHS unterscheiden.

Das Kürzel ADS steht für Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom, ADHS für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung.

Den ersten großen Unterschied zwischen diesen beiden „Krankheiten“ macht erstmal das „H“ im Kürzel, das für Hyperaktivität steht.

Kinder mit ADHS kann man als kleine „Zappelphillippe“ bezeichnen, wobei Kinder mit ADS eher die „Träumerchen“ sind. Durch die Hyperaktivität, der andauernden „inneren Unruhe“ ist ADHS bei Kindern deutlich sichtbarer als ADS, da diese Kinder zurückgezogener und ruhiger sind. Daher ist ADS bei Kindern oft schwieriger zu diagnostizieren.

Kinder mit ADHS fallen auf, Kinder mit ADS leiden im Stillen.

Einfach formuliert, handelt es sich bei ADHS und ADS um eine verringerte Selbststeuerungs- und Selbstkontrollfähigkeit, die sich meist durch folgende Symptome bemerkbar macht:

  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten
  • unüberlegte und impulsive Handlungen
  • körperliche Unruhe (Hyperaktivität), auffälliger Bewegungsdrang („Zappelphilipp-Syndrom“)

Hier ist aber meine Definition zu ADHS: Alle Die Hilfe Suchen!

Wieso diese Definition?

Gerade Kinder, die mit dieser ständigen „inneren Unruhe“ oder mit ihrer „Verträumtheit“ zu kämpfen haben, geraten ganz schnell in einen fürchterlichen Teufelskreislauf. Das gilt sowohl in der Schule, im Elternhaus wie auch oftmals in ihren Hobbys. Durch ihr besonderes Verhalten ecken sie häufiger an und bekommen so mehr Ärger in der Schule.

Die Eltern sind oftmals mit ihren „Nerven“ am Ende. Das Kind wird immer unzufriedener, aggressiver und wird noch mehr auffälliger und unruhiger. So verschlimmert sich diese Situation immer mehr!

ADHS bei Kindern und Jugendlichen häufigste psychiatrische Erkankung

Deshalb erschrecken mich die nachfolgenden Zahlen umso mehr, da die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in Deutschland leider eine der häufigsten „psychiatrischen Erkrankungen“ bei Kindern im Kindes- und Jugendalter ist. Aktuellen Schätzungen zufolge sind in Deutschland ca. 5 % der Kinder und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren betroffen, wobei die „Erkrankung“ bei Jungen etwa viermal häufiger diagnostiziert wird als bei Mädchen.

Behandlung von ADHS bei Kindern mit Medikamenten

Die Behandlung von ADHS bei Kindern mit Medikamenten hat ebenfalls in den letzten Jahren stark zugenommen. Mehr als 50 000 Kinder in Deutschland nehmen Psychostimulanzien, die sie ruhig und aufmerksam machen sollen. Wie in den USA, wo schätzungsweise fünf Millionen Schüler jeden Tag Methylphenidat einnehmen, wird inzwischen auch in Deutschland keine seelische Störung bei Kindern und Jugendlichen häufiger diagnostiziert als ADHS. Schätzungen zufolge sollen zwei bis zehn Prozent aller Kinder betroffen sein – demnach säßen in jeder Schulklasse rein rechnerisch bis zu zwei Zappelphilippe, die medizinischer Hilfe bedürfen.

Woran liegt das?

Am Leistungsdruck in der Schule?

An überforderten Eltern?

An der Gesellschaft?

Ich möchte hier verschiedene Blickwinkel auf ADHS bei Kindern beleuchten, denn über die konkreten Gründen der Zunahme der ADHS-Diagnosen kann nur spekuliert werden.

Ursachen für ADHS bei Kindern

Die Forschung untersucht in verschiedene Fachrichtungen mit teils widersprüchlichen Erkenntnissen über die Ursachen von ADHS.
Seitens der Psychologie wurde ADHS in den 1990er-Jahren offiziell als Krankheit in die internationalen Diagnoseklassifikationssysteme aufgenommen. ADHS gilt deshalb heute als anerkannte psychische Störung, wobei die Ursache in der Psyche der Kinder liegt und auf frühkindliche Entwicklungsstörungen zurückzuführen ist. In den Diagnoseklassifikationssystemen ist auch definiert, dass Kinder mit ADHS sich nicht gut konzentrieren können, hyperaktiv und impulsiv sind.

Schauen wir uns nun die verschiedenen Ansätze an!

Ansicht der Neurologen: Bei ihnen liegt die Ursache von ADHS in der Gehirnfunktion, wobei der Botenstoff Dopamin, der normalerweise Informationen zwischen den Nervenzellen vermittelt, es nicht schafft, von einer Zelle in die nächste zu gelangen. Der Grund dafür ist, dass die Nervenzelle die Dopaminmoleküle, gleich nachdem sie sie freigesetzt hat, wieder einfängt. Die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen ist dadurch gehemmt, Reize und Informationen können nicht mehr optimal verarbeitet werden. Die Betroffenen haben Mühe, sich zu konzentrieren, jemandem zuzuhören oder eine Aufgabe nach Plan zu erledigen.
Annahme der Genetiker: Diese sind der Meinung, dass die Wurzeln von ADHS in den DNA-Strukturen der Betroffenen verborgen liegen. Die Anlage, ADHS zu bekommen, ist aus der Perspektive der Genetik angeboren.

Ansicht der Soziologen: Diese weisen im Gegenzug darauf hin, dass es zu kurz greift, ADHS als genetische Prägung oder rein medizinische Diagnose zu betrachten. Als ein zentrales Forschungsresultat betonen sie, dass ADHS im Umfeld zwischen Kind, Eltern, Schule und Umwelt zu suchen ist. Soziologen untersuchen den Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Strukturen und ADHS, beispielsweise hinsichtlich:

  • der Geschlechterrollen
  • familiärer Strukturen
  • der sozialen Abgrenzung von Betroffenen oder
  • des gesellschaftlichen Drucks sowie
  • auffälliges Verhalten.

Das Krankheitsbild ADHS bei Kindern ist durch gesellschaftliche Normen geprägt. Etwa durch den Druck, erfolgreich funktionieren zu müssen. Das heißt, sich in der Schule konzentrieren zu können oder sich gut in ein soziales und schulisches Umfeld einzugliedern.

Aus meiner Sicht sollte aber ADHS als Ergebnis verschiedener ineinander übergreifender Ursachen verstanden werden. Psychologische, neurobiologische, genetische, gesellschaftliche, kulturelle und familiäre Umstände spielen dabei gleichsam eine wichtige Rolle. ADHS bildet ein sehr komplexes Leidensbild für die Betroffenen. Dieses kann nur erfolgreich behandelt werden kann, wenn die Lebenswelten, in denen die Kinder und Familien sich bewegen, umfassend angeschaut wird.

Nachdem wir uns die verschiedenen möglichen Ursachen angesehen haben, ist es natürlich wichtig, den betroffenen Eltern wie auch den Kindern mit ADHS zu helfen, denn eine Diagnose bzw. ein Stempel macht das Kind deshalb auch nicht ruhiger und konzentrierter. Ganz im Gegenteil! Gerade durch solch ein Stigmata werden die Kinder sehr schnell ausgegrenzt und die Eltern für ihre „schlechte Erziehung“ verurteilt.

Welche Gründe gibt es für die Ritalin Vergabe bei ADHS?

Solche belastende Reaktionen aus dem Umfeld des Kindes sind mitunter auch häufig Grund dafür, weshalb betroffene Familien sich für eine Behandlung mit Ritalin entscheiden.

Gerade weil ADHS bei Kindern so viele Bereiche – Schule, Familie, Berufswelt – betrifft, ist es wichtig, dass behandelnde Fachleute, Eltern, Kinder und Lehrpersonen sich vernetzen, um sich umfassender über die ADHS-Problematik der Kinder austauschen zu können.

Welche alternative Behandlungsmethoden gibt es bei AHDS und ADS?

Ich möchte euch in diesem Zusammenhang, die aus meiner Sicht wichtigsten Säulen zur Unterstützung vorstellen:

  • Rituale:

„Ein Ritual ist in der Zeit das, was im Raum eine Wohnung ist“, sagte einmal Antoine de Saint-Exupéry. Damit umschrieb der Autor des „Kleinen Prinzen“ etwas, was heute sogar die Forschung belegen kann: Egal es das gemeinsame Abendessen oder der Spaziergang am Abend ist – Handlungen, die wir regelmäßig wiederholen, geben dem Leben Struktur. Sie schenken Geborgenheit, Halt und Orientierung in einer sich immer schneller wandelnden Welt. Sie sind damit wichtig für die Gesundheit.

Besonders wichtig sind solche Rituale bei Kindern mit der Diagnose ADS oder ADHS.

  • Ernährung:

Die Ernährung spielt ebenfalls eine unterstützende Rolle bei Kindern mit ADHS. Um die Durchblutung des Gehirns anzukurbeln, benötigt der Nachwuchs eine ausreichende Menge an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Deshalb sollten Fischgerichte (Fischstäbchen gehören nicht dazu) häufig auf dem Speiseplan stehen. Darüber hinaus gibt es in Apotheken rezeptfrei Lutsch-Dragées zu kaufen, die Kindern gut schmecken und die wichtigen Fettsäuren enthalten.

  • Raus in die Natur:

Gehen Sie mit dem Kind in die Natur: BallspieleRadfahren, Spaziergänge oder der Besuch eines Kinderspielplatzes fördern die Ausgeglichenheit des Kindes, reduzieren die innere Unruhe und Nervosität und stärken das Eltern-Kind-Verhältnis. 20 bis 30 Minuten am Tag reichen bereits aus, um eine spürbare Verbesserung der Konzentration zu bewirken.

  • Reduzierung der Reizüberflutung:

Sinnvoll ist es auch, die visuelle Reizüberflutung durch Medien wie Fernsehen, Computer oder Handy drastisch zu reduzieren. Sprich mit dem  Kind und füge entsprechende Zeiten in den gemeinsamen Tagesplan ein.

  • Mit Entspannung gegen die innere Untruhe und Verträumheit

Hier haben sich drei therapeutische Techniken bewährt:

  1. Achtsamkeitsübungen
  2. Übungen zur Entspannung
  3. Übungen zur Imagination

Für einen bestmöglichen Effekt sollten diese Techniken in oben genannter Reihenfolge mehrmals täglich geübt werden. Aber bitte hier keinen Stress aufkommen lassen, da es ja Spaß machen soll!

Je häufiger diese allerdings trainiert werden, desto kürzere Übungseinheiten reichen später aus, um Unruhe und Hyperaktivität in die Schranken zu weisen.

  1. ACHTSAMKEIT für Kinder mit ADHS

Prinzip: Achtsamkeitsübungen haben das Ziel, sich ganz auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren – ohne dabei eine Bewertung abzugeben.

Den weichen Waldboden unter den Schuhsohlen spüren. Das Brummen von Wildbienen, Hummeln und Käfern hören. Die Risse in der Baumrinde ertasten. Den Duft des Waldes riechen. An einem Ameisenhügel den flinken Tierchen zu sehen. Und sich den süßen Geschmack von Waldbeeren auf der Zunge zergehen lassen. Die Aufmerksamkeit auf den aktuellen Moment lenken, innehalten, durchatmen, das Umfeld bewusst wahrnehmen und spüren, was gerade ist – all das ist Achtsamkeit. Es muss aber nicht immer der Wald sein. Auch eine bewusste Atmung hilft den Kindern wieder „runter“ zu kommen. Hierfür habe ich dir zur Unterstützung die Vorlage der Smiley-Atmung zum Download bereit gestellt.

Gut zu wissen: Achtsamkeitsübungen lassen sich aber auch bei ganz alltäglichen Aufgaben einbauen.

Zum Beispiel:

  • Bewusst einen Saft trinken oder einen Keks essen – und den Geschmack bewusst wahrnehmen.
  • Zähne putzen – ohne andere Gedanken im Kopf
  • Bewusst atmen – und wirklich nur atmen

2. ENTSPANNUNG für Kinder mit ADHS

Eine absolut effiziente Art der Entspannug ist die Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson – bewusste Entspannung des Geistes durch Entspannung der Muskulatur

Hierbei werden einzelne Muskelgruppen ganz gezielt einige Sekunden lang angespannt, um dann die Anspannung mit der Atmung loszulassen.

Gut zu wissen: Progressive Muskelentspannung lässt sich sowohl im Liegen als auch im Stehen oder beim Laufen durchführen – eine Methode, die sich perfekt in den Alltag integrieren lässt.

Die richtige Technik der Progressiven Muskelentspannung geben wir auch in unseren RelaxKids® Aus- und Weiterbildungen weiter, da dies ein so wichtiges Tool nicht nur für ADS oder ADHS Kinder, sondern auch bei Prüfungsängsten und so vielen mehr ist.

Wenn diese Art der Entspannung nicht die passende Methode für das Kind ist, gibt es noch viele, viele weitere Methoden. Aber wichtig ist: gib ihm Raum für eine Auszeit, egal ob Mandala malen, Kindermassagen, eine Fantasiereise oder einfach nur erzählen lassen. Glaube mir, das Kind wird es lieben!

3. IMAGINATION für Kinder mit ADHS

Gedanken können Berge versetzen. Naja, nicht ganz, aber die Kids können sich in ihren Gedanken an einen Wohlfühlort träumen. Egal ob am Strand unter Palmen, auf einer Almwiese oder in einem Wald – wichtig ist, dass sich die Kinder sich möglichst viele Details vor Augen führen (z. B. Temperatur, Geräusche, Wind). Dies stärkt ganz enorm das Wohlbefinden und gibt ihnen ein positives Gefühl und stärkendes Gefühl.

Gut zu wissen: Das Kind kann sich seinen Wohlfühl-Ort immer wieder „auf Kommando“ herholen. Zum Beispiel, indem sie sich ein entsprechendes Signal geben (Faust ballen, sich selbst kneifen, über den Arm streichen o.ä.)

Diese Übungen können auch einzeln jederzeit toll in den Unterricht oder die Therapie integriert werden, da sie kein Material benötigen und auch wirklich nur ein paar Minuten dauern.

Einen ganz wichtigen Tipp möchte ich euch zum Abschluss noch an die Hand geben:

Stärkt die Ressourcen der Kinder

Gerade Kinder mit diesen „Stempeln“ und zusätzlichen Herausforderungen leiden! Gebt dem Kind die Möglichkeit, seine eignen Stärken wieder ganz bewusst wahrzunehmen. Denn nur so kann es aus dem Teufelskreislauf entfliehen. Das Kind erkennt so, dass es toll ist, wie es ist, dadurch wird es zufriedener und ausgeglichener. Dies spiegelt sich im Umgang mit den Freunden, Eltern und in der Schule wider. Es glaubt wieder an sich und kann so diesen Kreislauf entfliehen.

Hierzu möchte ich dir noch eine kleine Übung an die Hand geben.

Hierfür darf sich das Kind die Umrisse seiner Hände auf ein Blatt Papier schreiben. In jedem Finger soll es sich nun eine Eigenschaft rein schreiben, was es auszeichnet. Dieses Portrait wird dann an einem gut sichtbaren Ort aufgehängt, damit es immer und immer wieder daran erinnert wird, wie toll es ist.

Ich liebe diese Übung und achtet dabei auf die leuchtenden und strahlenden Augen der Kids, wenn sich die Hände „füllen“!

Abschließend:

Allerdings leidet nicht jedes unruhige oder unaufmerksame Kind gleich unter ADHS. Ob wirklich eine krankhafte Störung vorliegt, kann nur ein in der Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten erfahrener Arzt oder Psychotherapeut nach einer differenzierten Untersuchung feststellen. Dabei gilt insbesondere: Die Auffälligkeiten müssen über einen längeren Zeitraum (mindestens sechs Monate) und in verschiedenen Lebensbereichen des Kindes (Familie, Schule und Freizeit) auftreten, damit man wirklich von ADHS sprechen kann.

LernFlow Video zum Thema ADHS und ADS bei Kindern

In diesem Interview mit Petra Rodenberg vom Lern-Ort erfahrt ihr weitere Tipps und Informationen für den Umgang mit ADHS bei Kindern

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