Es gab einen Vokabeltest in der Schule und 50% der Klasse konnte das Gelernte vom Vormonat einfach nicht behalten und wiedergeben. Kennst du es auch aus der Schule, in der Therapiestunde oder von zu Hause? Woran liegt das? Wie können Schüler besser Gelerntes behalten?

Warum wir Gelerntes besser behalten durch Wiederholungen

In unserem Gehirn befinden sich viele Milliarden Neuronen. Diese stellen wir uns mal als kleine Schneeflöckchen vor. Wenn wir etwas neues Lernen, ist es wie bei einem ganz dichten Schneegestöber. Dann sind viele tausende Schneeflocken auf einmal unterwegs und alles wirkt absolut unübersichtlich, chaotisch und undurchdringlich.

Das merken wir besonders, wenn wir versuchen uns einen Weg durch den Schnee zu bahnen. Erst durch Wiederholungen, wenn ich immer wieder diesen Weg beschreite, bildet sich wie eine Art Trampelpfad. Den Weg kann ich dann fast mit verbundenen Augen begehen.

Und genau so funktioniert das in unserem Gehirn auch. Wenn ich die gleichen Wege durch Wiederholungen immer wieder gehe, bilden sich auch im Gehirn „Trampelpfade“.

Zur besseren Vorstellung des Trampelpfads, verweise ich gerne auf den Blickwinkel des Gehirnforschers Manfred Spitzer:

Stell dir vor, du schaust von einem Hochhaus auf einen verschneiten Park.

Alles ist weiß und unberührt. Jetzt gehen Menschen ihrer Wege —man sieht viele Spuren.

Aber nach einigen Stunden sieht man manche Spuren ganz besonders deutlich —es haben sich Trampelpfade gebildet.

Man kann auf Anhieb sehen, wo die allermeisten Bewegungen stattgefunden haben.

Genauso ist das mit dem Gehirn!

Hast du Schüler, die keine Lust auf Wiederholungen und zum Beispiel Probleme beim Vokabeln lernen haben?

Dann erklär ihnen doch einfach mal, am Beispiel des Schneetrampelpfads, was in unserem Gehirn passiert und wie dort Trampelpfade entstehen.

Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir Gelerntes abrufen?

Wenn wir also einen „Pfad“ benutzen, feuern Neuronen in unserem Gehirn in einer gewissen Struktur. Dadurch kann das Gehirn diese Struktur schneller erkennen und deshalb viel einfacher und mit weniger Anstrengungen folgen und das Wissen abrufen. Somit werden Sachen, die wir immer und immer üben und wiederholen mit der Zeit fast wie von selbst funktionieren oder sind sofort abrufbar.

Was bedeutet das im Umkehrschluss? Immer wenn wir was nicht können, haben wir ein dichtes, fast undurchdringliches Schneegestöber vor uns, wo wir uns erst einen Weg hindurch bahnen müssen. Wenn dieser Pfad erstmal vorhanden ist, kann dieser durch das mehrfache Begehen immer sichtbarer und begehbarer werden. Das Wissen kann dann nur so aus uns raussprudeln und ist auch in absoluten Stresssituationen noch abrufbar.

Auch bei der Kinderentspannung nutzen wir diesen Effekt. Denn durch das ständige Wiederholen der Formeln aus dem Autogenen Training oder der Muskelgruppen aus der Progressiven Muskelentspannung, gehen diese Informationen in das Unterbewusstsein über und so können die Kinder lernen, wie auf „Knopfdruck“ zu entspannen.

In diesem Video erkläre ich den Zusammenhang von Entspannung und den Trampelpfaden.

Die Rolle der Neuroplastizität, um Gelerntes zu behalten

Neuroplastizität ist die Fähigkeit des Gehirns, sich während des gesamten Lebens eines Menschen zu verändern und zu wachsen (Frith et al. 2011).

Wie ein Muskel wachsen Bereiche in unserem Gehirn umso stärker, je mehr wir sie benutzen und je ausgeprägtere Trampelpfade wir bauen.

Gerade deshalb sind Wiederholungen umso wichtiger. Das zeigt die nächste Grafik sehr deutlich. Wiederholen wir Gelerntes nämlich nicht, vergessen wir es umso schneller.

Hier habe ich euch die Vergessenskurve nach Ebbinghaus mal grafisch dargestellt (aber bitte nicht zu kritisch sein, da ich kein Grafiker bin) Ich wollte euch einfach nur mal grafisch darstellen, was passiert, wenn gar nicht oder zu spät wiederholt wird.

4 Tipps: So klappt das Wiederholen noch effizienter

  1. Tipp: Ist der Wiederholstoff für alle Lernkanäle passend aufbereitet?

Der Lernstoff sollte auf allen Lernkanälen aufbereitet sein, z.B. bunt, zum Nachsprechen, diskutieren, zum Anhören

  1. Tipp: Wie kann das Kind am Besten wiederholen?

Unser Gehirn liebt Abwechslung. Für die Wiederholung von Lernstoff eignen sich z.B.: Mindmaps, ABC-Listen, KaWa… usw.

  1. Tipp: Wo lernt das Kind am liebsten und am entspanntesten?

Lernen und Wiederholen nie am Schreibtisch, sondern an den Orten an denen es Spaß macht, z.B. Garten, am Boden, in der Badewanne…

  1. Tipp: Wann ist die beste Zeit zum Wiederholen?

Viele Schüler wiederholen gleich nach den Hausaufgaben. Am Besten ist es s allerdings vor dem Schlafen gehen, da das Gehirn Zeit hier ausreichend Zeit hat, das Gelernte richtig abzuspeichern.

Effektivste Zeit-Strategie für Wiederholungen

Wie oft sollten Schüler den Lernstoff wiederholen, um das Gelernte zu behalten?

In unterschiedlichen Studien hat man die effektivste Zeit-Strategie für Wiederholungen herausgefunden:

  • Schritt 1: Lernen – ein erstes Mal
  • Schritt 2: Wiederholung (1) – nach einigen Stunden
  • Schritt 3: Wiederholung (2) – am nächsten Tag
  • Schritt 4: Wiederholung (3) – nach einer Woche
  • Schritt 5: Wiederholung (4) – nach einem Monat
  • Schritt 6: Wiederholung (5) – nach einem viertel bis einem halben Jahr

Wie sieht es bei dir mit den Kindern in der täglichen Arbeit als Pädagoge, Therapeut oder Coach aus? Können die Kinder schon gut Gelerntes behalten? Kennen sie gute Lernstrategien?

Ich weiß, als Lerncoach und Mama, dass es manchmal ein leidiges Thema ist und dabei ist es wichtig die Geduld mit den Kindern zu behalten.

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